Donnerstag, 28. Juni 2007

Fortsetzung 41

Bedrohlich lag das Firmengelände des beleibten Mittelständlers vor uns. Dumpf schlugen die Betonbrocken auf den mit Einschlagtrichtern übersäten brüchigen Teer. Geschickt tänzelten Helmut und ich die Flugobjekte aus. Um unerkannt zu bleiben hatten mein Gefährte und ich uns am Firmentor vorsorglich maskiert. Einmal mehr musste ich feststellen, dass mich diese Art Gesichtsschmuck um Jahre verjüngte, während Helmut nichts von seinem bedrohlich bissfreudigen Äußeren verloren hatte. .
Mit federnden Schritten erreichten wir den Gebäudeeingang, als mir schlagartig klar wurde, dass in diesen verwinkelten Räumen des Unternehmens, durch das wieder einmal der verführerische Duft der Feinschmeckerkantine waberte, das Geheimnis des verschwundenen Müller wohnte.
Ich war aufs äußerste gespannt.

Donnerstag, 24. Mai 2007

Werbeunterbrechung in eigener Sache!!!

Im Juni 2007 jährt sich die Erfindung der Farbfotografie zum einhundertsten Mal. Da darf ein Beitrag von mir natürlich nicht fehlen. Hier ist er: `Heinrichs Welt´, ein Foto-Text-Werk in Farbe. Erscheint im Juni 07 im wunderbaren Mitteldeutschen Verlag.
Und große Ehre! Ein Motiv daraus darf das Cover der Vorschau zieren. Mehr dazu unter www.heinrichswelt.de

Mittwoch, 16. Mai 2007

Fortsetzung 40

Schließlich aber trieb die Hitze mich und Helmut aus dem Wagen. Am Tor des Firmengeländes blickte ich mich noch einmal nach meinem Wagen um und mit Sorge musste ich beobachten, dass meine Befürchtungen berechtigt waren. Unter der Sonneneinstrahlung war die Karosserie meines Wagens mehr Elaste als Plaste und im Stillen hoffte ich, dass mir mein treuer Grünling nicht den Dienst versagen würde, sollte ich hier fluchtartig das Feld räumen müssen, was mir bei den undurchschaubaren Charaktereigenschaften des Firmeninhabers durchaus wahrscheinlich erschien. Außerdem fürchtete ich um den Wiederverkaufswert meines sozialistischen Exoten und mir war klar, dass ich die Veränderungen am Fahrzeug nicht als Hagelschaden deklarieren konnte.

Dienstag, 15. Mai 2007

Fortsetzung 39

Als ich kurze Zeit später meinen Grünling vor dem Firmengelände parkte, spürte ich wie mich schlagartig die Nervosität anfiel.
Mir war klar, dass die herabfallenden Betonbrocken keine geringe Gefahr darstellten. Ähnlich schien es Helmut auf dem Rücksitz zu ergehen. Der Blick in den Innenspiegel erübrigte sich eigentlich, um mich von seiner Unruhe zu überzeugen. Sein aufdringliches Winseln war Ausdruck genug, um mir unmissverständlich mitzuteilen, dass auch er den herabfallenden Betonbrocken als Gefahrenereignis grundsätzlich nicht unterschätzte. So beschloss ich noch eine Weile in meinem zweitaktgetriebenen Kraftfahrzeug zu verweilen und das Terrain einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Hitze machte mir allerdings zu schaffen. Die Sonne glühte mit einer Intensität aufs Autodach herab, dass ich um die Karosserie meines Zwickauers fürchten musste. Und diie heruntergekurbelten Fenster sorgten nicht gerade für kühlende Linderung im Innenraum. Aber immerhin der verlockende Essensgeruch der Feinschmeckerkantine strich so um meine Nase und ließ ein wenig Vorfreude auf ein Leckermahl aufkommen. Ich zückte meine Kamera und sondierte mittels Rückspiegel aufmerksam die Gegend. Auch wenn das Bild friedlich anmutete, so spürte mein Ermittlerinstinkt Unheil über der Straße liegen...

Samstag, 12. Mai 2007

Fortsetzung 38


Waren es bei meinem ersten Besuch die aufgeschütteten Bodenwellen, die meiner Fahrt das Tempo genommen hatten, so hatte ich es diesmal mit verkehrsberuhigenden Elchen zu tun, die dem ruppigen Federsystem meines quirrligen Zwickauers einiges abverlangten.

Freitag, 11. Mai 2007

Fortsetzung 37

Nach einer ruhigen Nacht erwachte ich am nächsten Morgen aus einem tiefen traumlosen Schlaf und wie ich mit müden Gliedern aus dem Bett stieg und nach einer erfrischenden Dusche nach meinen Kleidern griff, war es, als schlüpfte ich nicht in Hose und Hemd sondern stülpte mir eine Art Ermittler-Rüstung über. Mit einem mir seltenen Gefühl der Entschlossenheit spürte ich, dass jede Faser an mir zielgerichtet war, Margot Müllers Mann zu finden. Und ich wusste, dass mir ein unangenehmes Treffen mit einem schwergewichtigen Fabrikanten bevorstand, dessen Firmengelände ein Tummelplatz herabfallender Betonbrocken war. Anders, als bei meinem ersten Besuch konnte ich nicht auf meinen antiquarischen Franzosen zählen, sondern musste auf meinen zwickauschen Zweitakter ausweichen, der mich mit nervösem Zylindertanz unter der Haube in die Stadt brachte.


Mittwoch, 9. Mai 2007

Fortsetzung 36

Der Heimweg war mit baulichen Schönheiten gespickt und erinnerte mich daran, dass ich vielleicht doch damit beginnen sollte, meine Nächte in meinem rollendem Zuhause zu zählen.

Fortsetzung 35

Irgendwann zu fortgeschrittener Stunde tauchte plötzlich Helmut auf, der es bei den Pinguinen nicht mehr ausgehalten hatte, das Schnäbelrasseln war nichts für seine empfindlichen Ohren. Da spürte er mich kurzerhand auf und tanzte eine Weile mit, bevor er mich mit unmissverständlichem Knurren daran erinnerte, dass Ermittlungen anstanden und ich es mit meiner Ausgelassenheit nicht übertreiben sollte. Nach einem letzten Glas Wein, verabschiedete ich mich mit Bedauern von der Dame und ließ mich von Helmut nach Hause bringen.

Freitag, 4. Mai 2007

Fortsetzung 34

Sie willigte ein, führte mich in den Garten ihres Hauses und wir tanzten uns in einen Rausch...
...tanzten durch ihr Blumenbeet....

...und ließen uns irgendwann erschöpft und schwindlig vor einem Weinglas nieder.

Donnerstag, 3. Mai 2007

Fortsetzung 33

Eine Stunde später durchströmte mich ein Gefühl ungeahnten Wohlbehagens. Der ehemals eingeteichte, dann leider entteichte Silberschupper war mit einem vehementen Spatenstich unter die Erde gebracht, der Pinguinbestand nach einer Standpauke in die Betten geschickt und Margot Müller endlich verabschiedet. In meinen Taschen knisterten die Scheine, die sie mir als Vorschuss ein wenig widerwillig zurückgelassen hatte, meine Künste anzweifelnd, die des Malens ja ohnehin und die des Investigierens wohl auch. Mir war klar, dass ein Erfolg her musste, aber ich war mir sicher, dass mich das zurückgelassene Tagebuch sicher leiten würde und mir ein vielleicht nicht ganz erfreuliches Widersehen mit einem beleibten Fabrikdirektor einbringen wird. Vorher freilich wollte ich ein wenig der GeldaufdenKopfhauung fröhnen und es mir gut gehen lassen. Nach meinen gelungenen Porträts von Margot Müller fühlte ich mich mehr denn je als Künstler und dürstete nach einer Muse. Ich suchte mir ein freches Damenwelt überzeugendes Beinkleid aus, dresste auch farbenfroh meinen Oberkörper und nahm wenig später, nachdem ich Helmut meinen schon beinahe vergessenen Hund mit der Pinguinbewachung betreut hatte, mit großen Freuden zur Kenntnis, dass gar nicht weit an einer Häuserwand Musenhaftes keck ihr Blond in mein Blickfeld schwang. Ich ließ mich nicht lange lumpen und flötete ihr Werbendes ins Ohr und fragte nach einem Tanz.

Donnerstag, 19. April 2007

Fortsetzung 32

"Und jetzt?", fragte ich und sah Margot Müller forschend an.
"Was fragen Sie mich denn das?", antwortete sie schnippisch. "Sie sind der Detektiv! Ich will meinen Mann und keinen toten Fisch!"
Ich nickte stumm, dann sagte ich:
"Was dagegen, wenn ich dem Fisch einen Kondolenzrand male?"
"Machen Sie nur. Wenn das Ihrer Trauer dient. Ich hoffe nur, Sie bekommen wenigstens den einigermaßen hin!"
Ich tauchte den Pinsel in reines Schwarz und trauerte mit sicherem Strich um meinen Fisch.
"Und schaffen Sie bitte die Pinguine nach draußen!", forderte Margot Müller. "Die machen mich ganz nervös!"

Sonntag, 1. April 2007

Werbepause bis....

...ca. 17 April. Dann wird die Geschichte weitergehen. Bis dahin kann man sich die Zeit mit diesem Buch vertreiben.

Dienstag, 27. März 2007

Fortsetzung 31

Aber noch bevor in meinem Schädel ein Denkprozess in Sachen erster Verdacht auf den Weg gebracht werden konnte, ging die Tür auf und sechs quirrlige Lebewesen erfüllten das Wohnwageninnere mit flatterhafter antarktischer Unruhe. Unter den erschrockenen Blicken von Margot Müller kehrten meine Assistenten von ihrer Exkursion zurück und warfen mir dieses auf den Tisch. Ich brauchte nicht lange, um mir darüber klar zu werden, dass sie ihren Mißerfolg in Sachen Müllerbeschaffung mit einem schnellen Schnapper in meinen neu angelegten Teich vor der Tür zu kaschieren versuchten. Und ganz offensichtlich stand ihnen jetzt der Sinn nach Belohnung. Erwartungsvoll reckten sie mir ihre Schnäbel entgegen.
"Da seid ihr ja!", sagte ich mit gespielter Gelassenheit. Das kurze Teichleben eines meiner Fische brachte mich innerlich mehr aus dem Gleichgewicht, als mir lieb war. "Und ihr habt was mitgebracht!"
Vor Margot Müller wollte ich meine eigene Enttäuschung verbergen und professionell erscheinen und ich wollte sie nicht weiter beunruhigen. Ich bemerkte, wie sie nicht aufhörte den toten Fisch auf dem Tisch anzustarren.
"Aber das...aber das...!", stotterte sie. "Das, das ist doch nicht mein Mann!"
Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück, legte meine Füße neben den entlebten Schupper auf den Tisch und kniff meine Augen zu zwei schmalen ermittelnden Schlitzen zusammen.
"Das hoffe ich!", sagte ich. "Womit ich allerdings nicht sagen möchte, dass sie nichts von einer Nixe hätten. Aber Sie müssen zugeben , der Fisch hat eine gewissen Ähnlichkeit mit dem Phantombild ihres Mannes, das Sie mir gaben."
"Ich seh da keine Ähnlichkeit. Sie wollen ja nur darüber hinwegtäuschen, dass Sie nicht malen können."
"Ich sehe schon eine gewissen Ähnlichkeit!", beharrte ich. "Dieses...wie soll ich sagen...diese Anmutung des Gestreckten ist ihnen gemeinsam. Finden Sie nicht?"
"Nein, das finde ich nicht. Was soll dieser Unsinn? Mein Mann ist doch kein Fisch!"
"Mein Gott, Margot!", fauchte ich da beinahe und schlug mit der Hand auf den Tisch. "Jetzt beruhigen Sie sich doch. Die Tiere haben sich halt getäuscht.Das kann doch passieren!"
"Was sind Sie denn für ein Ermittler!?" Margot Müller war außer sich. "Mit welchen Methoden Sie arbeiten!"
"Mein Gott Margot! Es sind Pinguine! Sie wissen doch, wie Pinguine sind!"
"Nein, das weiß ich nicht!", schrie sie.

Samstag, 24. März 2007

Fortsetzung 30

Da griff sie mit einer schnellen, ungeduldigen Bewegung in ihre Handtasche und legte vor mir dieses Buch auf den Tisch."Was ist das?", fragte ich.
"Das ist das Tagebuch meines Mannes!", antwortete sie schnippisch. "Vielleicht sind da ja ein paar interessante Aufzeichnungen enthalten, die uns erklären könnten, wo er sich aufhält?"
Vorsichtig griff ich danach und streifte das Gummiband vom Deckel.
"Haben Sie schon hineingesehen?", fragte ich.
Da sah mich Margot Müller mit zornigen Augen an.
"Was denken Sie sich?", fauchte sie auch schon. "Glauben Sie, ich schnüffle meinem Mann in seinem Tagebuch hinterher? Halten Sie mich für so indiskret? Ich bin seine Frau!"
Ich zuckte zurück.
"Entschuldigen Sie!"
"Machen Sie das, los! Sie sind der Schnüffler! Und beweisen Sie, dass Sie nicht nur nicht malen können."
Auf einer beliebigen Seite schlug ich das Buch auf und las:
"Margot ist so gemein. Jeden Abend lauert sie mir mit dem Nudelholz auf und haut es mir volle Kanne über den Schädel. Sie glaubt, ich käme aus einer Kneipe oder so. Aber das stimmt ja gar nicht. Dabei komme ich nur von einem Nebenjob, den wo was ich angenommen habe, damit wir genug Geld haben, um die Schulden abzubezahlen. Die Margot weiß natürlich nichts von den Schulden. Und deswegen drischt sie mir jeden abend das Holz auf die Birne. Steht hinter der Tür, wartet bis ich in der Wohnung bin und `Zack´, sehe ich Sternchen. Und das nach diesem anstrengenden Job, bei dem ich unter großer Gefahr so schwere Betonbrocken schleppen muss..."
Da stockte mir mit einemmal der Atem. `Betonbrocken!´, schoss es mir durch den Kopf und die Schrift vor meinen Augen verschwamm. Konnte es denn sein, dass Herr Müller...?

Dienstag, 13. März 2007

Fortsetzung 29

Erst nach dem fünften Anlauf war ich mit dem Ergebnis zufrieden. Da fragte eine völlig erschöpfte Margot Müller nach einer vierstündigen Sitzung: "Kann ich mal sehen?" Unter leisem Stöhnen erhob sie sich von ihrem Stuhl, kam um den Tisch und blickte auf das Bild.Schweigend stand sie eine Weile neben mir, als ich in meinen Augenwinkeln ihr Kopfschütteln bemerkte. "Das soll ich sein?", fragte sie dann.
"Aber ja!", antwortete ich. "Freilich ist das keine realistische Abbildung. Ich habe Sie in dem Kleid gemalt, das sie gestern trugen. Und ja, auch sonst bin ich ein wenig meinem inneren Auge gefolgt, das Sie ein wenig anders wahrnimmt. So ist das in der Kunst. Das Bild ist eine Interpretation von Ihnen. Das verstehen Sie doch!"
"Nein, das verstehe ich nicht!", antwortete Margot Müller. "Ich hab ja gar kein Gesicht!"
"Das ist Kunst!", sagte ich nun in einem forscheren Ton.
"Und ich dachte, sie können malen!" Ihre Enttäuschung war nicht zu überhören. "Ich hoffe sehr, dass Sie ein besserer Detektiv sind. Was ist denn jetzt mit meinem Mann?"
Ungeduldig blickte sie auf ihre Armbanduhr.
"Nur Geduld!", beruhigte ich sie. "Meine Helfer müssten bald schon zurück sein."
Innerlich hoffte ich doch sehr, dass meine Pinguine erfolgreich sein würden.
"Ich könnte Ihnen etwas auf der Gitarre vorspielen!", schlug ich vor.
"Um Himmels Willen, nein!", rief sie da.

Sonntag, 11. März 2007

Fortsetzung 28

Und noch einer!

Fortsetzung 27

Wieder nichts! Ein neuer Versuch.

Fortsetzung 26

Ich war aber mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Ich wollte ihr das rote Kleid von gestern geben, und ein leichtes Schmunzeln und ihr die harten Schatten um die Kinnpartie nehmen. Insgesamt weiblicher. Ich versuchte es erneut.

Donnerstag, 8. März 2007

Fortsetzung 25

Meine Fassungslosigkeit über ihre Erscheinung wollte nicht weichen. Wo war die Anmut und Grazie von gestern, mit der sie so spielerisch in das Herz eines vereinsamten Ermittlers tauchen konnte. Bei Tee und einem Keks saß ich ihr beinahe wie paralysiert gegenüber und bekam nur am Rande mit, dass wir uns auf hundert € einigten, die während der Suche nach ihrem Mann täglich in meine leeren Taschen wandern sollten. Dann wollte sie wissen, ob ich schon etwas unternommen hätte.
"Ja,", sagte ich da und merkte wie hilfreich gezielte Fragen waren, mich aus meinem trancehaften Staunen zu rütteln. "Ich habe einiges in die Wege geleitet. In diesen Minuten, da wir hier sitzen, wird bereits intensiv nach ihm gefahndet. Ich habe da so meine Helfer. Sie verstehen."
"Nein ich verstehe nicht."
Da nickte ich nur und schwieg. Wenig später lenkte ein innerer Impuls die Finger meiner rechten Hand in Richtung Tuschekasten, den ich seit meinem abgebrochenen Malkurs auf dem Tisch liegen hatte, um in einsamen Stunden ein wenig bunt in das Grau meines Alltags zu zaubern. Überraschenderweise hatte ich mich dabei gar nicht so übel angestellt. Und ich konnte mir nicht helfen, ich musste etwas gegen das Äußere von Margot Müller tun, und wenn es nur ein Gemälde ist, mit dem ich die Realität zu überlisten versuchte.
"Wir haben Zeit!", sagte ich. "Könnte gut sein, dass heute nachmittag noch meine Helfer mit ihrem Mann hier auftauchen. Haben Sie etwas dagegen, wennn ich in der Zwischenzeit ein Gemälde von Ihnen anfertige?"
"Sie wollen mich malen?", staunte Margot Müller da. "Ich wurde noch nie gemalt!"
"Das glaube ich Ihnen gerne!", antwortete ich, öffnete den Tuschekasten und versuchte ihr wenigstens auf der Leinwand das Antlitz der jungen Ingrid Bergmann zu verleihen, das ich in Erinnerung hatte.
Ich malte Margot Müller.

Mittwoch, 7. März 2007

Fortsetzung 24

Helmut und ich stellten das gesamte Innere meines Wohnwagens auf den Kopf. Aber das Rupfhuhn war nicht aufzufinden. Schon verrückt, mit was für Fähigkeiten Mutter Natur manche Lebewesen ausgestattet hatte. Da es aus keinem verborgenen Winkel meiner Einrichtung besorgniserregend hustete oder nieste, gab ich mich der Gewissheit hin, dass ich mir keinen fernasiatischen und bedrohlichen Virus ins Haus geholt hatte und freundete mich mit der Vorstellung eines weiteren, wenn auch verborgenen Arealbewohners an. Das Tier würde schon irgendwann seine Scheu überwinden und wieder auftauchen, dachte ich. Ich fand wieder zu meiner inneren Ruhe und auch zu meinem Appetit, den kurz zuvor Jamie Oliver mit seiner Kochsendung in mir geweckt hatte. In Ermangelung eines schmackhaften Geflügels begnügte ich mich nun mit der bescheidenen Vielfalt, die mir ein Imbiss aus dem Kühlschrank zu bieten hatte. Wurst, Käse, Gurke, das übliche, das so in Eile auf einem Teller Platz fand. Ich landete damit wieder vor der Television und der Gedanke an ausgeschwärmte Pinguine, die mir in Sachen Müllerbeschaffung nach wie vor zu Diensten waren, sorgte bei Helmut und mir für entspannende Behaglichkeit.
Irgendwann dann zu fortgeschrittenem Tage klopfte es an der Wohnwagentür. Als ich öffnete sah ich mich einem Gesicht gegenüber, das mir wohl vertraut vorkommen sollte, jedenfalls schien mir die Person das zu vermitteln. Sie grinste mich wiedererkennend an; bei mir jedoch wollte sich Vertrautes nicht einstellen.
"Hallo!", sagte die Person mit einem Lächeln und als ich nichts weiter tun konnte als mit einem stummen fragenden Blick zu erwidern und meinen Kopf schief zu legen, da hörte ich: "Na, ich bin es. Erkennen Sie mich nicht wieder?"
"Tut mir leid.", antwortete ich. "Helfen Sie mir auf die Sprünge."
"Na gestern, auf der Straße, sie hätten mich beinahe überfahren. Und Sie wollen meinen Mann suchen. Margot Müller, mein Name!"
Da durchfuhr mich blitzartig ein fürchterlicher Schreck und ich spürte, wie sich die Finger meiner Hand in die Wohnwagentür krallten.
Wie konnte das sein?, dachte ich. Wie konnte ich Margot Müller nicht wiedererkennen?
"Entschuldigen Sie!", sagte ich. "Ich habe Sie nicht gleich erkannt. Verzeihen Sie, aber ich hatte sie anders in Erinnerung! Kommen Sie herein und nehmen Sie Platz!"
"Ich hatte gestern das rote Kleid an!", sagte Margot Müller und kam in meinen Wohnwagen. "Vielleicht ist es ja das, was so verwirrend auf sie wirkt!"
"Ja!", sagte ich. "Vielleicht."
Und dann stellte ich ihr meinen Hund vor und sagte: "Keine Angst. Er beißt nicht!"

Dienstag, 27. Februar 2007

Fortsetzung 23

Helmut und ich suchten dort, wo ich die Getränke aufbewahrte. Konnten das Tier aber nicht finden.

Montag, 26. Februar 2007

Fortsetzung 22

„Such´s Rupfhändl! Geh, sei ein braver Helmut!“
Mein Hund war ein braver Helmut, suchte, aber fand nicht. Als würde sich dieses Huhn nicht nur optisch der Umgebung anpassen können, schien das Tier auch über Fähigkeiten zu verfügen, seine Duftmarke zu verändern, konnte wie ein Tisch riechen, wie ein Stuhl, wie Linoleum.
Jetzt auch noch dieses Rupfhuhn!, dachte ich.
Keine Frage, mit der vermeintlichen Zubereitung dieses Nichtgefieders schaffte ich mir mehr Probleme als Genuss. Nicht nur, dass ich einem verschwundenen Herrn Müller hinterforschen sollte, musste ich auch noch dieses Tier aufspüren. Hatte ich doch alles andere vor, als mein Leben mit exotischen Tieren zu bevölkern. Aber nun war es geschehen. Während die Pinguine ihre forschenden Blicke draußen in der Welt schweifen ließen, tat ich es im Inneren meines Wohnwagens. Denn, dass das Rupfhuhn ins Freie gelangt sein konnte, war ausgeschlossen. Tür und Fenster waren zu. Es musste sich noch irgendwo in meinen Räumlichkeiten aufhalten. Wo nur konnte dieses Ungefieder stecken? Und wie nur einem Tier auf die Schliche kommen, dass sich täuschend echt jeder Umgebung anpassen konnte?
Ich suchte in meiner Fitnessecke, fand das Tier aber nicht.

Samstag, 24. Februar 2007

Fortsetzung 21

Helmut und ich genossen die Entlastung durch unsere antarktischen Assistenten. Hatte der Hund die Anschaffung der Pinguine zuerst mit Argwohn beobachtet und der Dressur mit kritischen Blicken beigewohnt, so freute er sich jetzt an meinen ausgelassenen Stockwürfen in den Garten.
Es ist auch eine Ewigkeit her, dass ich meine Hände frei vom Fischbeutel bewegen konnte und mein Stockwurf etwas von der Eleganz hatte, mit der ich nun wieder den Hund in die Weite schickte.
Nach dem Spiel setzten Helmut und ich uns vor den Fernseher und blieben bei einer Kochsendung mit Jamie Oliver hängen. Die Lässigkeit, mit der sich dieser jugendliche Engländer die Kochwelt eroberte, war beeindruckend. Genauso die Mühelosigkeit, mit der er seine Gerichte wie im Vorübergehen zelebrierte. Wie beiläufig landete eine Ente im Backofen, natürlich nicht ohne vorher mit den verschiedensten Gewürzen versehen worden zu sein.
Die Sendung machte Appetit auf Geflügel und es war ein schöner Zufall, dass gerade in diesem Augenblick ein fernasiatischer Geflügelhändler an die Wohnwagentür klopfte und mir ein Rupfhuhn anbot. Ich sah seinen Wagen nicht weit von meinem Gelände parken und hörte es dort gackern, husten und niesen, und ich erkundigte mich nach dem Gesundheitszustand der Tiere. Nach etwaigen grippeähnlichen Erkältungskrankheiten.
Da bemerkte der Geflügelhändler, dass doch in den Medien alles nur hochgespielt würde und machte mir einen furchtbar guten Preis, bei dem ich nicht ablehnen konnte. Mit aller englischer Fernsehlässigkeit schmiss ich das Tier gleich ins Backrohr. Noch Thymian hinterher, Rosmarin, Salz und Pfeffer und heizte den Ofen auf 220 Grad.
Doch plötzlich ging die Klappe wieder auf und das Tier sprang zu meinem Entsetzen aus dem Ofen. Ich hatte ja keine Ahnung, dass ich ein Lebendtier der Hitze ausgesetzt hatte und ich wusste auch nicht, dass es diese Rasse überhaupt gab, dieses südpalinesische Rupfhuhn, dass sich laut Lexikon wie ein Chamäleon täuschend echt der Umgebung anpassen konnte. Ich sah es gerade noch fliehen, als wollte es sich als siebenter gerupfter Pinguin auf die Suche nach Herrn Müller machen. Da war es auch schon verschwunden.

Mittwoch, 21. Februar 2007

Fortsetzung 20

Und sie schwärmten aus und mischten sich unter die Leute.

Dienstag, 20. Februar 2007

Fortsetzung 19

Meine Enttäuschung über das Freestyleverbot und meine Ratlosigkeit bezüglich einer Strategie, mit der ich Herrn Müller aufspüren konnte, waren der Grund dafür, dass ich mir unendlich viel Zeit ließ. Ich suchte nach einer Idee, wie ich meine Aufgabe beginnen und mit der ich morgen Margot Müller Mut machen konnte. Nach schier endlosem Grübeln dann der Geistesblitz. Ich erinnerte mich an einen Artikel, in dem ich über die amerikanische Marine gelesen hatte, die Delphine darauf abrichtete, Haftminen an ihren Schiffen aufzuspüren.
In meinem Fall waren es zwar keine Minen, die ich finden musste und ich bewegte mich auch nicht auf den Wogen der Weltmeere, aber der Gedanke an die intelligenten Meeressäuger brachte mich ganz zwangsläufig auf Pinguine, diese Delphine auf zwei Beinen. Mit ihnen müsste doch ganz ähnliches zu bewerkstelligen sein, dachte ich. Gleich am nächsten Morgen kaufte ich mir sechs Stück davon. Anders als Rosen kaufte man Pinguine in geraden Zahlen.
Ich unterzog sie einer Schnelldressur und richtete sie auf die Suche nach verloren gegangenen Ehemännern in Begleitung einer hohen Geldsumme ab. Anschließend hielt ich ihnen das Phantombild unter den Schnabel.
"Schwärmt aus!", befahl ich ihnen dann. "Und mischt euch unter die Leute! Und bringt mir diesen Kerl!"

Donnerstag, 15. Februar 2007

Fortsetzung 18

Mein Enthusiasmus beim Teichausheben war groß. Ich vergaß Zeit und Raum, doch bald schon erinnerte mich mein Verdauungstrakt daran, dass unten hinaus musste, was oben im Laufe des Tages als Schlachtschüssel hineingekommen war. So fand ich mich irgendwann in meinem durchaus behaglichen Wohnwagen-WC wieder. Zu meinem Bedauern jedoch durfte ich mich dort nicht auf die Art und Weise entleeren, wie ich gerne gewollt hätte.

Samstag, 10. Februar 2007

Fortsetzung 17

Doch Sekunden später, als ich vorfuhr, dann der Stimmungswandel. Plötzlich und für mich vollkommen unerklärlich fragte ich mich, wie lange ich wohl hier in diesem......werde?
Aber bevor ich mich der Schwermut, plagenden Zweifeln oder anderen negativen Stimmungen hingeben konnte, brachten mich die Fische schon wieder auf andere Gedanken. Mir kamen die Worte von Margot Müller in den Sinn und ihr Hinweis auf eine mögliche Einteichung. Und ja, auch ein Gartenteich würde den optischen Eindruck meines Heimes verbessern und so fand ich mich wenige Augenblicke später mit einem Spaten in den Händen im Garten wieder. Es wurde Zeit, den Fischen für eine dauerhafte Bleibe ein großes Loch auszuheben, um es mit Folie, Wasser und diversen Pflanzen wieder zu füllen. Bevor es zu spät sein würde und die Unterbringung meiner Wasserbewohner mit einem Spatenstich im frischen Erdreich getan sein könnte.

Freitag, 9. Februar 2007

Fortsetzung 16

"Meine Name ist Margot Müller!", stellte sich mir die Frau mit großer Erleichterung in der Stimme vor.
Wir standen immer noch mitten auf der Straße und sorgten nicht gerade für fließenden Durchgangsverkehr. So tauschten wir schleunigst unsere Visitenkarten, ein paar freundliche Blicke und verabredeten uns für den nächsten Tag bei mir zuhause, um dort alle weiteren Einzelheiten zu klären. Etwa die Anzahl der Scheine, die als Tagessatz den Besitzer wechseln sollten. Ich brachte Margot Müller noch zu ihrem Kinderwagen, bevor ich mich wieder hinter das Steuer meines Wagens setzte und mich auf den Heimweg machte.
Wenig später schon erblickte ich von Weitem meine neue Bleibe. Zu meiner Überraschung freute ich mich an dem, was ich sah.
Trutzig reckte mein Heim seine Rundungen in die milde Abendluft. Klar, ein paar Bäume könnten den Garten zieren, ein paar Pflanzen, Blumen, eine Hecke könnte ich pflanzen. Aber auch so besaß mein Dominzil eine Menge Vorteile. So könnte problemlos ein Rettungshubschrauber landen, sollte ich auf dem Terrain unglücklich stürzen und eine orkanartige Böe mir den Wohnwagen auf den Rücken werfen.